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Wenn der Bierpapst ruft kommen sie alle, selbst wenn Conrad Seidl betonte, er sei hier nur als Gastredner ohne weitere Funktion vor Ort. Die Kellerräume des Hollunderstrauch waren dennoch voll mit interessierten KollegInnen, die mit Interesse den Ausführungen über Bier im allgemeinen, österreichisches Bier im Besonderen und insbesondere das kommende erste Wiener Bierfest am Hof Ende September folgten. In seiner Einführung brachte der Bierpapst vor allem Hintergrundwissen unter die Gemeinde, darunter die Erkenntnis, dass entgegen dem allgemeinen Irrglauben Bier eben kein Durstlöscher ist, eben nicht 'sitt' macht und man eigentlich nie genug Bier trinken kann, höchstens zu viel. Auch zum traditionellen Braujahr und dem althergebrachten Brausilvester hatte er Einiges zu erzählen. Mit dem Bierfest wird in Wien nämlich an eine uralte Tradition angeknüpft: Jahrhundertelang endete beziehungsweise begann das neue Braujahr jeweils Ende September. Das entsprach dem natürlichen Jahreslauf im Allgemeinen und den Gegebenheiten des Braujahres ganz besonders. Ab Oktober standen typischerweise die Rohstoffe der neuen Ernte zur Verfügung - man konnte also mit dem Hopfen desselben Jahrgangs brauen und auch die im Frühsommer geerntete Gerste war inzwischen vermälzt. Im Märzen der Brauer? 'Im Märzen der Bauer', so beginnt ein altes Lied. Doch nicht nur der Bauer, auch der Brauer, denn das heute in Österreich so verbreitete Märzenbier hat eine diffizile Geschichte: Ursprünglich hatte es nämlich auch viel mit dem Jahreslauf der Brauer zu tun. Im 19. Jahrhundert braute man diese Biere im März ursprünglich mit Bockbier-Stärke ein, um ein halbes Jahr später ein kräftiges Bier zu haben, mit dem das neue Braujahr begrüßt werden konnte. Denn zu Zeiten, zu denen es keine künstliche Kühlung gab, mit der man die Gärung steuern konnte, haben viele Brauereien in den heißen Sommermonaten den Braubetrieb eingestellt. Mit dem Märzenbier wurde seinerzeit die sommerliche Braupause und die Reifungszeit der ersten, nach dem Michaelstag gebrauten Biere überbrückt. Michaeli - ein Lostag für Brauer, Bauern und Bierfreunde In der Mitte der Feierlichkeiten zum Brauersilvester liegt der Michaeli-Tag (29. September). Der Feiertag des Heiligen und Erzengels Michael galt seit altersher als Lostag - zu Zeiten, als man sich nicht am Kalender, sondern an den kirchlichen Feiertagen orientiert hat, galt der Tag als der eigentliche Herbstbeginn. "Der Michael zünd's Licht an" hieß der Leitspruch, erzählt Bierpapst Conrad Seidl, der nicht nur mit dem Bierguide, sondern auch in einem halben Dutzend kulturhistorischer Bücher das Brauwesen und seine Geschichte dargestellt hat: Ab diesem Tag wurde nicht nur in den Brauhäusern, sondern überall im Lande die Arbeit des Winterhalbjahres aufgenommen. Man sieht hier auch, dass die Bierbrauerei nicht einfach eine Industrieproduktion ist, sondern von allem Anbeginn an fest mit der Landwirtschaft verwurzelt ist und nicht nur die Rohstoffe, sondern auch die Bräuche von den Bauern übernommen hat. Wie tief der Michaelitag im Brauwesen verankert ist, kann man auch im bayerischen Reinheitsgebot von 1516 ablesen. Dort wird festgelegt, dass der Bierpreis von Michael! (also vom 29. September) bis Georgi (23. April) nur einen Pfennig betragen darf, während des Sommers aber teurer ausgeschenkt werden darf. Danach präsentierte Wahlwiener und Innenstadtgastronom Klaus Glavanics als Initiator Schlaglichter aus dem Programm des ersten Wiener Bierfestets, das in enger Kooperation mit dem Brauereiverband und den österreichischen Brauereien organisiert wird. "18 Brauereien werden mit etwa vier Dutzend Bieren zeigen, was die Bierkultur im neuen Braujahr zu bieten hat - und die Spezialitäten können natürlich alle verkostet werden", verspricht Klaus Glavanics, der das gastronomische Konzept des Brauersilvesters in Wien erstellt hat. Er konnte damit viele Brauer, die sonst auf dem Markt in hartem Wettbewerb stehen, dazu motivieren, gemeinsam mit den Wienern drei Nachmittage und Abende lang -auf das neue Braujahr anzustoßen. Und dabeit die Vielfalt des österreichischen Bieres zu verkosten. Denn Österreichs Bierlandschaft präsentierte sich im abgelaufenen Braujahr vielfältiger denn je: Neben den Ausstoß-Millionären haben sich viele mittelständische und kleine Brauereien etabliert- und von diesen wiederum gibt es immer mehr Biere, die sich jenseits der heimischen Märzenbier-Kultur etabliert haben. Einen kleinen Ausblick auf solche Schmankerl gab anschliessend Andreas Urban, Braumeister der Schwechater Brauerei, der immer wieder aufs Neue beweist, dass ein engagierter Individualist mit erstklassiger Fachkenntnis auch in einem grossen Konzern unglaublich persönliche Biere der Sonderklasse brauen kann. Die Facts: 1. Österreichisches Bierfest 28.9. bis 30.9. 2010, tägl. 11 – 23 Uhr Eintritt frei, bezahlt wird die jeweilige Konsumation 18 Brauereien haben bereits ihre Teilnahme zugesagt und werden über 50 verscheidene Biere anbieten: Trumer Privatbrauerei Brauerei Hirt Kobersdorfer Schlossbräu Brauerei Kapsreiter Brauerei Grieskirchen Golser Bier Lehner's Standlbier + Speisen Ottakringer Brauerei Brauerei Villach Stiegl Brauerei zu Salzburg Salmbräu Rabenbräu Brauerei Zipf Brauerei Göss Österreichische Braukultur - Brauerei Schladming - Hofbräu Kaltenhausen - Brauerei Schwechat Hubertus Bräu Brauerei Murau Fa. Holzeis - Brauereibedarf Das Programm zum Bierfest und zum Silvester: Dienstag, 28.09.2010 11:00 Uhr Beginn 12:30 Uhr Musik 16:30 Uhr Einzug Blasmusik 16:45 Uhr Beginn Moderation 17:00 Uhr Offizielle Eröffnung Ansprachen: Veranstalter, Ehrengäste, Politik Bierfassanstich 18:00 Uhr Musik: "Gordon Blech" - Brass-Blech-Spass 23:00 Uhr Ende Mittwoch, 29.09.2010 11:00 Uhr Beginn 12:00 Uhr Musik 15:30 Uhr Radio ARABELLA 16:00 Uhr AFTERWORK - BIER - Lounge mit Radio ARABELLA DJ 19:00 Uhr Live Musik 23:00 Uhr Ende Donnerstag, 30.09.2010 BRAUSILVESTER !!! 11:30 Uhr Bier-Frühschoppen "Hopfen und Malz" - Combo 16:00 Uhr FunkSoulOrchestraProjekt www.fsop.at 18:30 Uhr Einlass - VIP AREA 19:00 Uhr Programm/Moderation Eva Pölzl 19:30 Uhr Eröffnung Brausilvester - Verband Brauerein Österreichs 19:45 Uhr Präsentation Österreichischer Brauer-Kalender 20:15 Uhr Bierkabarett Alex Kristan 22:00 Uhr Feuer- & Pyroshow 23:00 Uhr Ende der Veranstaltung [kjz]
Link zu: Homepage des Ersten Wiener Birfestes Link zu: Mehr Bilder von der Pressekonferenz am 7.9. im Hollunderbusch

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