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Ausstellungsbericht
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Malerei: Prozess und Expansion - Von den 1950er Jahren bis heute
copyright: MuMoK
©: MuMoK
  

In der letzten Ausstellung seiner Direktionszeit, zeigt Direktor Köb auf Basis der eigenen Sammlung die Entwicklung der Malerei in den letzten 50 Jahren, wobei sich die ausgezeichnet kuratierte und sehenswerte Schau auf zwei Pole der Malerei konzentriert: - Die Expansion aus dem flachen Viereck über den Bildrand und in die dritte Dimension und - Die Malerei die durch verschiedene Prozesse sich entwickelt bzw. weiterentwickelt.

  

von: 9.Jul 10
bis: 26.Oct 10


MUMOK
Museum Moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 18 Uhr
Donnerstag bis 21 Uhr





Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Nahezu 200 Werke veranschaulichen eine Malerei, die von einer Krise traditioneller Malerei- und Bildvorstellungen und den Versuchen ihrer Überwindung zeugen. Ausgehend von bereits historischen Positionen wird ein Bogen bis in die Gegenwart gespannt, und der quantitativ und qualitativ eindrucksvolle österreichische Beitrag zu diesen Entwicklungen herausgearbeitet.

Die in der Moderne zentral angelegten Tendenzen der Selbstreflexion des Mediums erfahren in dieser Schau eine Neuinterpretation und Gewichtung: Die Reduktion auf fundamentale Malvorgänge einerseits und dessen Erweiterung und Auflösung in skulpturale bzw. räumliche malerische Strategien andererseits stehen dabei im Vordergrund. Die Ausstellung vertieft dabei zum einen die Aspekte selbstreflexiver, autonomer Malerei von der Monochromie über das All-Over Prinzip bis zum zufallsgenerierten Bild. Zum anderen werden raumgreifende, installative und objektbezogene Arbeiten gezeigt, mit denen das gängige Bildformat expansiv erweitert oder unterlaufen wird.

Die Bildgestaltung aus den fundamentalen Eigenschaften und Reaktionsweisen der Farben zu entwickeln, anstatt aus narrativen oder kompositionellen Vorstellungen zu schöpfen, gehört zu den unterschiedlichen Versuchen und Strategien prozessualer Malerei. Durch An- und Zumalen, Zuspachteln, Drippen, Spritzen, Eintauchen, Anschütten etc. entstehen kreativ gelenkte Selbstdarstellungen von Malerei, in denen die Konsistenz der Farbe in ihrem Verhältnis zur Schwerkraft und zur Beschaffenheit des Bildträgers sichtbar wird. Das Ergebnis solcher Prozesse in reinster und reduziertester Form sind Monochromien wie die von Yves Klein oder musterartige All-Over-Strukturen wie Jackson Pollocks „Drip Paintings“. Die gestischprozessuale Malerei des Informel bereitete Ansätze vor, wurde aber selbst zunehmend akademisch und damit zum Feindbild der Revolutionäre unter den Malern. In der Darstellung ihrer Grundlagen spiegelt sich auch der Glaube an eine höhere Wahrhaftigkeit durch Selbstentäußerung der Malerei, sowie der Zweifel an der Möglichkeit originärer Setzungen durch autonome Künstlerindividuen. In den 1950er und 1960er Jahren als finale Akte, radikale Setzungen und Erfindungen gedacht, haben sich diese historischen Ansätze und Techniken letztlich als Potenziale für nachfolgende Generationen erwiesen.

In dem, der prozessualen Malerei gewidmeten Teil der Ausstellung wird ausgehend von Jackson Pollock, Yves Klein, Morris Louis, Arnulf Rainer, Hermann Nitsch und Max Weiler ein dichtes Spektrum unterschiedlichster, individueller Ausformungen des Phänomens bis heute ausgebreitet. Unter anderem finden sich darin Positionen von Joseph Marioni, David Reed und Bernard Frize. Die Auswahl beschränkt sich im engeren Sinn auf bildbezogene Malerei und deutet die zahlreichen Überlappungen mit anderen, verwandten zeitgenössischen Ansätzen an, wie sie vor allem in Material- oder Strukturbildern zu finden sind. In ihrem aktuellen Teil wird die Ausstellung durch Leihgaben österreichischer Künstler ergänzt. Sie dokumentieren die Breite und Intensität dieses Diskurses in der österreichischen Kunst.

Der zweite Teil der Ausstellung verfolgt die ab den 1950er und 1960er Jahren einsetzende Entgrenzung von Bild und Malerei durch Einbindung realer Objekte und durch räumlich-installative Anbindungen. In der Pop Art, dem Nouveau Réalisme, dem Fluxus, dem Wiener Aktionismus, der Arte Povera, der Minimal Art und der geometrischen Abstraktion im ehemaligen Ostblock zeigten sich unterschiedliche Formen von Realitäts- und Raumbezügen, die gegen die bildfixierte Malerei aufgeboten wurden. Während in Amerika und in Westeuropa um 1960 die Realität in Form von Gegenstandzitaten oder raumgreifenden Gestaltungsweisen
ins Werk integriert wurde, waren es im osteuropäischen Bereich vor allem geometrische Verräumlichungen des Bildes, die in der Kunst die politische Liberalisierung nach dem Sturz des stalinistischen Regimes in den sogenannten „sanften Diktaturen“ widerspiegeln. Die Kritik am historischen Bild- und Kompositionsbegriff führte generell auch zu einer Neubestimmung von Malerei und Bild in ihrem Verhältnis zum Betrachter. Statt der Konfrontation von Werk und Betrachter wurde eine Integration des Betrachters ins Werk angestrebt. Diese Umbrüche in der Malerei der 1960er und 1970er Jahre wurden zur historischen Grundlage für jene Künstler, die ab den späten 1980er Jahren nach dem Ende der neofigurativen und —narrativen „neuen Malerei“ zeitgemäße Formen der Malerei schufen. Dabei entstanden neue Verbindungen zwischen Bild und Alltagsobjekten, mit denen auch der Begriff und die Techniken der Malerei erweitert wurden.

Alles in allem eine tolle Ausstellung mit vielen interessanten Einblicken in die zeitgenössische Malerei und in die faszinierende Sammlung des MuMoK. Kleiner persönlicher Wermutstropfen: Leider muss das Bild von Yves Klein hinter einer Plexiglasscheibe gezeigt werden. Direktor Köb meinte dazu (von mir darauf angesprochen): "Ein Wahnsinn, das Bild ist nicht anschaubar. Aber mir waren die Hände gebunden, die Stiftung Ludwig, der das Bild gehört, verbietet eine andere Hängung. Ich habe schon geplant, dies bei der nächsten Sitzung anzusprechen! ... " - Dem ist nichts hinzuzufügen!

Empfehlenswert ist auch das zur Ausstellung herauskommende Buch „Malerei: Prozess und Expansion“, mit einem Vorwort von Edelbert Köb und Essays von Christoph Bruckner, Ines Gebetsroither, Gabriel Hubmann und Rainer Fuchs. ISBN 978-3-86560-832-1, MUMOK, Preis: € 29,-

In der Ausstellung vertretene Künstler:
John Armleder | John Baldessari | Erwin Bohatsch | Herbert Brandl | Rafał Bujnowski | Daniel Buren | Michael Buthe | John Chamberlain | Alan Charlton | Josef Danner |Gérard Deschamps | Erik Dietman | Hans Joachim Dietrich | Jim Dine | Noël Dolla | Piero Dorazio | Heinrich Dunst | Christian Eckart | Christian Eisenberger | Andreas Eriksson | Helmut Federle | Thomas Feuerstein |Tone Fink | Dan Flavin | Bernard Frize | Adolf Frohner | Jakob Gasteiger | Geoffrey Hendricks | Christian Hutzinger | Thomas Jocher | György Jovánovic | Donald Judd | Michael Kienzer | Friedrich Kiesler | Yves Klein | Imi Knoebel | Stanislav Kolíbal | Jirí Kovanda | Bertrand Lavier | Morris Louis | Peter Lowe | Karel Malich | Robert Mangold | Brice Marden | Joseph Marioni | Dóra Maurer | Francois Morellet | Robert Morris |Otto Mühl | Hermann Nitsch | Oswald Oberhuber | Jules Olitski | Pino Pascali |Jackson Pollock | Larry Poons | Arnulf Rainer | Robert Rauschenberg | David Reed | Thomas Reinhold | Andreas Reiter Raabe | Gerhard Richter | Gerwald Rockenschaub | Dieter Roth | Niki de Saint Phalle | Karin Sander | Hubert Scheibl | Adrian Schiess | Alfons Schilling | Florian Schmidt |Bernard Schultze | Rudolf Schwarzkogler | Pierre Soulages | Daniel Spoerri | Rudi Stanzel | Henryk Stazewski | Frank Stella | Christian Stock | Jessica Stockholder | Jorrit Tornquist | Niele Toroni | Rosemarie Trockel | Cy Twombly | Lee Ufan | Günter Umberg | Walter Vopava | Wolf Vostell | Max Weiler | Lois Weinberger | Franz West | Klaus Dieter Zimmer | Otto Zitko | Heimo Zobernig | Leo Zogmayer | Christina Zurfluh

[pge]

Link zu: Parallelausstellung: Brigitte Kowanz - Now I See (bis 3.10.10)

Link zu: Parallelausstellung: The Moderns - Revolutions in Art and Science

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