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Ausstellungsbericht
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Die Schlacht von Tannenberg 1410
copyright: KHM Wien
©: KHM Wien
  

Diese kleine, sehr gelungene Ausstellung anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Schlacht bei Grunwald/Tannenberg schildert sehr anschaulich einer der größten Ritter-Schlachten, in der der Deutsche Kreuzritterorden von dem vereinigten Heer der Polen und Litauer vernichtend geschlagen wurde.

  

von: 18.Jun 10
bis: 10.Oct 10


KHM - Neue Burg
Ephesos Museum,
Sammlung alter Musikinstrumente,
Hofjagd- und Rüstkammer
Heldenplatz
(Hinter dem Denkmal des Pr.Eugen)
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 525 24- 4025
Fax: +43 1 525 24- 4098
Email: info@khm.at
http://www.khm.at/

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag 10 - 18 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Die Schlacht von Tannenberg (Polen) spielt für das historische Selbstverständnis Polens bis heute eine große Rolle. In der Ausstellung sind Rüstungen und Waffen der damaligen Zeit aus den Beständen der Hofjagd- und Rüstkammer sowie aus der Schatzkammer und dem Archiv des Deutschen Ordens in Wien zu sehen sein. Ausgewählte Exponate, wie Sporen und Steigbügel Kasimir II., König von Polen (1427-1492), erinnern an eine der größten Schlachten des Mittelalters in Europa, bei welcher der Deutsche Orden (Ordo domus Sanctae Mariae Teutonicorum, polnisch: Krzyżacy = Kreuzritter) von der vereinten Streitmacht des Königreichs Polen und des Großherzogtums Litauen vernichtend geschlagen wurde.

Geschichtlicher Hintergrund
Die Schlacht bei Tannenberg gilt als eine der größten europäischen Schlachten des Mittelalters. Es wird geschätzt, dass an dem Kampf am 15. Juli 1410 zwischen 35.000 und 45.000 Ritter, Söldner und zum Militärdienst verpflichtete Untertanen teilnahmen, von denen mehrere Tausend am Schlachtfeld umkamen.
Der Konflikt zwischen dem den südöstlichen Ostseeraum beherrschenden, wirtschaftlich wie militärisch mächtigen Deutschordensstaat, dem zu einer Großmacht in Mitteleuropa heranwachsenden Polen und dem politisch schwachen Territorialstaat Litauen war ausschlaggebend für die politische und wirtschaftliche Entwicklung Mittelosteuropas in den folgenden Jahrhunderten.

Aus polnischer und litauischer Sicht eignete sich der Deutsche Orden unter dem Vorwand der Heidenmission an den nördlichen Grenzen des christlichen Europa wiederholt polnische und litauische Gebiete an. Als 1385 infolge der polnisch-litauischen Union von Krewo der litauische Großfürst Jagiełło polnischer König wurde und Litauen 1386 das Christentum annahm, war die christliche Mission des Deutschordensstaates, die Christianisierung des Heidentums im Baltischen Raum, die Ostkolonisation als Drang nach Osten mit Kreuz und Schwert in Frage gestellt.

Territoriale Streitigkeiten und ein Aufstand in Schamaiten führten dazu, dass der Orden am 6. August 1409 Polen den Krieg erklärte. Der Konflikt gipfelte am 15. Juli 1410 in der Schlacht bei Tannenberg. Der Ausgang der Schlacht eröffnete beiden Siegerstaaten den Weg in eine gemeinsame Zukunft: Die Union, gegründet zunächst als Bündnis gegen die Expansion des Deutschen Ordens, blieb in den folgenden Jahrhunderten bestehen; sie förderte und beschleunigte die Weiterentwicklung beider Staaten. Der Deutschordensstaat wurde 1525 definitiv aufgelöst und säkularisiert. Der an seiner Spitze stehende letzte preußische Hochmeister Albrecht von Brandenburg nahm den protestantischen Glauben an, wandelte sein Gebiet in ein weltliches Herzogtum, und leistete dem polnischen König Sigismund I. 1525 den Lehnseid auf dem Marktplatz von Krakau. Das Gebiet des Ordensstaates umfasste die später als Ostpreußen, Lettland und Estland bezeichneten Territorialregionen.

Die Legende der Schlacht bei Tannenberg spielte bei der Ausbildung der Nationalstaaten der Polen und Litauen eine wichtige Identität stiftende Rolle. Nachfolgende Generationen sahen in dem legendären Sieg für beide Nationen ein Symbol des Ruhmes und der Macht des Vaterlandes. In Zeiten der nationalen Niederlagen und Teilungen wurde immer wieder auf dieses Ereignis im Kampf gegen die erzwungene Germanisierung und Russifizierung zurückgegriffen. Im 19. Jh., in der Zeit der Romantik, wurde die aus dem Mittelalter überlieferte Siegeslegende in vielen Werken u.a. der Nationaldichter Adam Mickiewicz, Juliusz Słowacki und Henryk Sienkiewicz sowie des Malers Jan Matejko, nationalideologisch aufgerüstet.

Auch Russland nutzte die Besinnung auf die Schlacht im Geist des Panslavismus als Sieg der vereinten Slawen über das germanische Element zur kollektiven Bewusstseinsbildung. Besonders feierlich wurde in Polen der 550. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg begangen. Aus dieser Zeit stammt nicht nur ein monumentales Denkmal, sondern auch die filmische Bearbeitung der Romantrilogie ‚Krzyżacy‘ (Die Kreuzritter) des Nobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz, die bis heute den meisten Polen bekannt ist.

Wichtig zur Namensklärung Tannenberg:
In Erinnerung an die Niederlage des Deutschen Ordens 500 Jahre zuvor wurde der Ort der Schlacht unter Führung von General Ludendorff, der im Ersten Weltkrieg, im August 1914, die Russen besiegte, auf deutscher Seite mit dem Namen Tannenberg bezeichnet. Das hier errichtete Mausoleum zu Ehren
Generalfeldmarschall von Hindenburgs wurde 1945 von den deutschen Truppen gesprengt.

[pge]

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