Passwort vergessen?
 
Neuen Account erstellen
 
Warum registrieren
 
 
Ausstellungsbericht
DruckenArtikel als pdf anzeigen

Otto Neurath. Gypsy Urbanism
copyright: MAK Wien
©: MAK Wien
  

Diese sehr kleine und pointierte Ausstellung über den österreichischer Philosophen, Ökonomen und Universalisten Otto Neurath (1882–1945), der zusammen mit dem Grafiker Gerd Arntz die Isotype, die Wiener Methode der Bildstatistik, entwickelte, zeigt mit vielen ausschliesslich originalen Ausstellungsstücken die vier wichtigsten Aspekte seiner Arbeit: die Wiener Siedlerbewegung der 20er Jahre, das von ihm gegründete Österr. Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, die schon angesprochene Entwicklung der Isotype und die Verbreitung seiner Ideen in Österreich und in der Welt.

  

von: 10.Mar 10
bis: 5.Sep 10


Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 712 80 00
Fax: +43 1 713 10 26
Email: office@MAK.at
http://www.mak.at/

Öffnungszeiten:
Mi–So 10 – 18 Uhr
Mo geschlossen
Di (MAK NITE©) 10 - 24 Uhr
geöffnet: Oster- und
Pfingstmontag, 1. Mai,
8., 24. & 31.Dez: 10–15 Uhr
geschlossen: 25. Dez, 1. Jän



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

In einer Zeit, in der die Kultur von Massenmedien dominiert wird, enthüllt der Blick auf das Werk des Universalgelehrten Neurath überraschend Zeitgenössisches. Der Wissenschafter, Wohnbauaktivist und Museumsdirektor, der sich stets um eine Weiterentwicklung partizipatorischer Formen der Demokratie bemühte, arbeitete mit führenden Architekten, Designern und Künstlern seiner Zeit – unter ihnen Franz Schuster, Josef Frank, Margarete Schütte-Lihotzky – sowie mit Protagonisten des Wiener Kreises, dem er angehörte, zusammen. Neuraths anhaltender Einfluss auf so unterschiedliche Disziplinen machen ihn zu einer einzigartigen, typisch österreichischen Persönlichkeit, die weltweit gefeiert wird, aber in Österreich im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent ist.

Die Ausstellung konzentriert sich auf vier wesentliche Aspekte der Arbeit Neuraths. Der erste Teil beinhaltet Artefakte und erstmals gezeigte Filmsequenzen der Wiener Siedlerbewegung der 1920er Jahre, jener Zeit, in der Neurath seine Karriere begann und eng mit den Architekten Franz Schuster und Margarete Schütte-Lihotzky zusammenarbeitete. Nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde das Vorantreiben des Wohnbaus in Wien zur obersten Priorität der österreichischen Sozialdemokratie. Als sich Siedler „nach Zigeunerart“ öffentliche Grundstücke aneigneten und darauf Häuser und Gärten errichteten, erkannte Neurath dies als Chance für eine Wohnbaureform, die auf Basisorganisation und Tauschhandel beruhen sollte.

Neurath gründete den „Hauptverband des Siedlungs- und Kleingartenwesens“ (1918–1934), um die „wilden Siedler“ bei der Neuplanung Wiens zu unterstützen. Der Verband entwickelte mehrere Prototypen erweiterbarer Kleingartenhäuser, die auf modernsten Prinzipien der Effizienz basierten. Diese „Kernhäuser“, es gab sowohl Einzel- als auch Reihenhausmodelle, konnten aus einem Katalog bestellt werden und wurden der Öffentlichkeit im Jahr 1923 im Rahmen einer Ausstellung präsentiert, die über 200.000 Besucher anzog. In der MAK-Ausstellung werden auch Entwürfe von Margarete Schütte-Lihotzky und Franz Schuster gezeigt.

Im Fokus der Schau steht aber das 1925 als Verein für Volksbildung gegründete Österreichische Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, das aus einer Serie von Wanderausstellungen hervorging. Für die Räumlichkeiten des Museums am Parkring 12 in Wien, konnte ein für die österreichische Moderne geschichtsträchtiges Gebäude der Gartenbaugesellschaft gewonnen werden, in welchem bereits 1898 die Secession ihre erste epochemachende Ausstellung präsentierte. Neurath führte zahlreiche Innovationen hinsichtlich der Präsentation von Ausstellungen ein, die auf Fotos im Kunstblättersaal dokumentiert sind. Gemeinsam mit Josef Frank entwickelte Neurath Ausstellungssysteme, die mobil waren und daher überall gezeigt werden konnten.

Die Museumsinhalte – es handelte sich um eine Darstellung der Welt in Statistiken und historischen Daten – glichen weitgehend einem politischen Weltatlas der Zivilisation für Laien. In diesem Zusammenhang widmet sich ein Teil der Ausstellung den Fotodokumenten der Wanderausstellungen aus den Beständen des Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums und die 100 Schautafeln seines statistischen Elementarwerks „Gesellschaft und Wirtschaft“ von 1930 aus dem MAK-Bestand.

Das Projekt, eine Art „Museum ohne Grenzen“, war auch Ausgangspunkt für das von Neurath entwickelte Bildkommunikationssystem Isotype. Angesichts der politischen Veränderungen zur Zeit des Ersten Weltkrieges konstatierte Neurath einen tiefgreifenden Strukturwandel von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft. Die von ihm gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz entwickelte internationale Bildersprache ist als Reaktion auf die neuen Umstände zu verstehen. Mithilfe von Piktogrammen schufen sie die Wiener Methode der Bildstatistik „Isotype“ (International System of Typographic Picture Education), die allgemein verständliche, präzise Darstellungen komplizierter Sachverhalte, z.B. von Daten und Statistiken, ermöglichte. Komplexe Zusammenhänge werden so auf einfache Weise, unabhängig von Gesellschaftsstruktur und Sprache verständlich dargestellt. Neurath sah die soziale und kulturelle Bildung als Motor der Selbstbestimmung für die Arbeiterklasse sowie als Katalysator des politischen Wandels.

Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt die Verbreitung von Otto Neuraths Ideen in England, den USA und der damaligen Sowjetunion, auf. 1933 bezeichnete die New York Times seine Pädagogik als „Bild-Esperanto“ und der Verlag Alfred A. Knopf veröffentlichte 1939 seine Publikation Modern Man in the Making. Beispiele aus diesen Werken werden ebenfalls im MAK zu sehen sein.
Als wichtige Dokumente der „global polis“ zeigt das MAK darüber hinaus Pläne des CIAM (Congrès International d’Architecture Moderne) von 1933 in Athen mit dem Titel „Die funktionelle Stadt“. Die universale Bildsprache hatte internationale Breitenwirkung.

Im Jahr 1934 zwangen die politischen Umstände Neurath zur Flucht aus Wien, er emigrierte zunächst in die Niederlande und 1940 nach England. In den Kriegsjahren drehte Neurath Propagandafilme für das englische Informationsministerium, einer davon wird in der Ausstellung gezeigt.

Die Ausstellung, die eine erweiterte Übernahme und Adaptierung der Schau im Schindler House des MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles, gibt eine guten Eindruck des Werkes Otto Neuraths und begegnet dem Informationsmanko über ihn in Wien erfolgreich.

[pge]

copyright: MAK Wien
©: MAK Wien

Kommentare
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
Drucken
Lifestyle Ausstellungsberichte

Starke Köpfe. Porträt(s) des Kunsthistorischen Museums (INTERMEZZO 02)
1.Jun 10 - 12.Sep 10
Kunsthistorisches Museum Wien

Jugendstil und Secession - Joseph Maria Olbrich
18.Jun 10 - 27.Sep 10
Leopold Museum im MQ

Ming. Zwischenspiel
21.Apr 10 - 3.Oct 10
Museum für angewandte Kunst

Schlafende Schönheit - Viktorianische Malerei aus dem Museo de Arte de Ponce
15.Jun 10 - 3.Oct 10
Unteres Belvedere

Serbien - Kulturelle Brücke zwischen Ost und West
30.Jun 10 - 30.Oct 10
Dom- und Diözesanmuseum

Tina Modotti - Fotografin und Revolutionärin
1.Jul 10 - 7.Nov 10
KunstHausWien

Juden, Christen und Muslime - Interkultureller Dialog in alten Schriften
7.May 10 - 7.Nov 10
Österreichische Nationalbibliothek

Prachtware - Porzellane des Klassizismus aus dem Marton Museum in Zagreb
15.Jun 10 - 9.Nov 10
Liechtenstein Museum

The Moderns - Revolutions in Art and Science
25.Jun 10 - 23.Jan 11
MUMOK

Mladen Miljanovic - Museum Service
25.Jun 10 - 12.Sep 10
MUMOK

Keith Haring: 1978-1982
27.May 10 - 19.Sep 10
Kunsthalle Wien im MQ

Alfred Hrdlicka - Schonungslos
23.Jun 10 - 19.Sep 10
Unteres Belvedere

Europas beste Bauten - Mies van der Rohe Award 2009
24.Jun 10 - 20.Sep 10
Architekturzentrum Wien

Niki de Saint Phalle - Im Garten der Fantasie
21.May 10 - 26.Sep 10
Essl Museum

Otto Muehl – Sammlung Leopold
11.Jun 10 - 27.Sep 10
Leopold Museum im MQ

Brigitte Kowanz - Now I See
25.Jun 10 - 3.Oct 10
MUMOK

Walton Ford - Bestiarium
18.Jun 10 - 10.Oct 10
Albertina

Street and Studio. Von Basquiat bis Séripop
25.Jun 10 - 10.Oct 10
Kunsthalle Wien im MQ

Malerei: Prozess und Expansion - Von den 1950er Jahren bis heute
9.Jul 10 - 26.Oct 10
MUMOK

CORSO - Werke der Sammlung Essl im Dialog
29.Jan 10 - 7.Nov 10
Essl Museum

Weggefährten - Der Beginn der Sammlung Essl
22.Apr 10 - 23.Apr 11
Sammlung Essl - Schömerhaus

James Cook und die Entdeckung der Südsee
12.May 10 - 13.Sep 10
KHM - Museum für Völkerkunde

Wien im Film - Stadtbilder aus 100 Jahren
27.May 10 - 19.Sep 10
Wien Museum

Gustav Mahler und Wien - „leider bleibe ich ein eingefleischter Wiener“
11.Mar 10 - 3.Oct 10
Theatermuseum

Die Schlacht von Tannenberg 1410
18.Jun 10 - 10.Oct 10
KHM - Neue Burg

Darwins rEvolution
9.Oct 09 - 26.Oct 10
Naturhistorisches Museum

Villa mit Grünblick - Die Hermesvilla und ihre Geschichte
25.Mar 10 - 26.Oct 10
Wien Museum - Hermesvilla

die 60er - Beatles, Pille und Revolte
1.May 10 - 1.Nov 10
Schallaburg

50 Jahre Herzschrittmacher – Technik im Körper
28.Sep 08 - 30.Dec 10
Technisches Museum Wien

Sisi auf der Spur
30.May 08 - 31.Dec 10
KHM - Wagenburg

Napoleons Hochzeit
22.Jun 10 - 31.Dec 10
KHM - Wagenburg

Suche nach Ausstellungen

Titel 
Lokalität 
Datum 
yyyy-mm-dd or yyyy-mm
GO
Bluecounter Website Statistics Bluecounter Website Statistics